Vom Dunkelwerden oder wie plötzlich das Licht verschwand und wieder kam

(St. Veith)

Heute war so ein Tag. Zack plötzlich war es dunkel, ganz dunkel, denn hell war es heute nie, obwohl mal kurz die Sonne schien. Aeussere Dunkelheiten sind aber bei weitem leichter zu verkraften wie die innere. Weisst du, wie du dich fühlst, wenn du vielleicht alle Lichter deiner 6 Lampen im Zimmer eingeschaltet hast und es dadurch kein Deut heller ist? Die Augen erkennen kein Licht mehr, obwohl du nicht blind geworden bist? Eher stumpf, an den Augen zusammengekauert. Du willst eigentlich auch nicht aufstehen, weil du fürchtest, dass dir die Beine versagen. Dein Kopf springt nicht an. Du bist zwar gedankenlos, weisst aber auch nicht, wie du aus dieser Situation wieder herauskommst, weil dir im Kopf kein Konzept, kein Weg einfällt um dich vor diesem Nichts an Licht hinauszuhieven. Kein Witz lässt dich lachen, kein Gefühl erwärmt dich. Am liebsten würdest du einschlafen, um wenn dieser Zustand in einer Woche wieder vorbei ist wieder quietschvergnügt aufzuwachen. Wenn man depressiv ist, kann man sich nicht vorstellen, dass dieser Zustand sich wieder ändert. So fühlt sich eine Kriegsgefangenschaft an, die mein Vater in Südfrankreich erleiden musste. So und nicht anders. Das Morgen ist dir nicht auf die Stirn geschrieben, du empfindest: das Ende ist da, dein Ende. Und dann, bist du doch weg. Schläfst du? Träumst du? Nein du bist eher tot, wegegetreten und ganz und gar ohne Bewusstsein.

Irgendwann wachst du wieder auf, und merktest gar nicht, dass du eingeschlafen warst. Aber jetzt hat sich was in deinem Zustand bewegt, es hat sich was verändert. Du bist einen Schritt gegangen, obwohl es die Beine nicht waren, mit denen du gingst. Mitten in der Brust, dort wo die Seele sitzt, da an der Stelle ist in dir ein kleines Männchen aufgestanden und geht jetzt einen halben Meter vor dir voran. Gut denkst du, dem renne ich mal hinterher, der ist so klein, der kann keine grossen Schritte gehen. Aber schon nach wenigen Minuten merkst du, dass du wieder in Bewegung gerätst. Auf einmal ist dir nach Spazierengehen in der frischen Luft. Da es draussen dunkel ist, macht es ja nichts rauszugehen. So erkennt niemand, wie scheiße du aussiehst und wie sehr du noch am Boden schleifst. Aber Sauerstoff verleiht Flügel, nicht schnell, aber so nach und nach. Und deine Gedanken fangen an um irgendeine Sache zu kreisen, die dich interessiert. Etwas hatte dich gestern neugierig gemacht, bevor du müde, zäh und gelähmt wurdest, jetzt greifst du sie wieder auf: An welcher Stelle ergänze ich meine Wohnung, mache sie für die nächsten Jahre sterbefertig, das heisst möglichst lange attraktiv und schön wohnbar, möglichst bis zu deinem würdigen Lebensabschluss. Auf einmal denkst du dass du noch 10 Jahre lebst, und fängst für die Zeit an zu planen. Und da ich pragmatisch bin sage ich: Wo fange ich damit morgen an. Und dann baut sich auf einmal einmal eine Brücke zu dem heutigen Tag. Du kannst es jetzt nicht mehr abwarten mit der Fertigstellung deiner Wohnung zu beginnen. Du kommst am Rewe vorbei und kaufst dir Getränke für zwischendurch zum Auftanken, damit der spätere Schwung dann anhält, wenn du morgen mit deinem Tun beginnst. Morgen? Nachher noch eine Stunde, bevor du dann für uns 3 Wesen das Abendessen zubereitest. Aber eine Stunde Neuanfang muss jetzt sein. Denn die Kurve raus aus der Depression, die bekomme ich jetzt. Zuhause angekommen, ziehe ich mich um und zack bin ich praktisch. Und jetzt? Ich habe mich wie immer selbst aus dem Dreck gezogen. Hände und Arme sind zwar ohne Gefühle, aber ich benutze sie wieder wofür sie da sind: Für das praktische Gestalten und Tun,als Werkzeug unseres Geistes.


St. Veith